Tipps zur Bewerbung – Arbeitgeber Microsoft (1/3)

Wie ist Microsoft als Arbeitgeber? Nach fünf aufregenden Jahren als Angestellter ziehe ich Zwischenbilanz und gebe dazu gleich 5 Tipps zur Bewerbung. Und weil es so viel Positives (und ein wenig Schatten) gibt, aufgeteilt in drei Artikel.

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Am 2. April 2012 bin ich der „Herde“ beigetreten, einige Wochen zuvor habe ich den Vertrag unterschrieben, da entstanden auch dieses Fotos:

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Links bin ich ganz stolz mit dem Dienstvertrag, rechtes Bild zeigt meinen Hiring Manager, den armen Christian. Er wusste wohl nicht wirklich auf was er sich da eingelassen hat. Hat später fluchtartig den Kontinent verlassen und arbeitet nun für Microsoft Corp. in Redmond. Der Dienstvertrag war übrigens erfreulich kurzgehalten, gerade mal vier Seiten und damit deutlich kürzer, als die Garagen-Benutzungsordnung am Euro Plaza. Gehirn musste ich allerdings selbst mitbringen.

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Ok, es gibt noch unzählige andere Policies, die zur Kenntnis zu nehmen waren und zu befolgen sind, … aber wie wird man denn eigentlich „Microsoftie“?

Bewerbungstipps

Wie kann man Microsoft beitreten? Der Standardweg für über das Karriere-Portal von Microsoft, das ist hier: https://careers.microsoft.com. Das ist mal wenig überraschend, Job aussuchen, CV hinaufladen, warten.

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Aber dazu noch einige Tipps:

Tipp 1: Kennst Du jemanden bei Microsoft?

Lass den Deine Bewerbung einreichen! Mitarbeiter können Kandidaten vorschlagen und Bewerbungen für Bekannte einkippen. Gibt auch eine kleine Prämie, wenn man jemanden vorschlägt, den HR noch nicht auf dem Radar hatte und diese Person dann einen Job bekommt. Aber das ist nur der Nebeneffekt, wichtiger ist, dass man dem Kandidaten einen möglicherweis entscheidenden Pluspunkt hinzufügt, weil sich ja ein bestehender Mitarbeiter verbürgt. Das macht vielleicht den Unterschied, zumindest um durch den einen oder anderen (oft externen) Filter zu kommen.

Stichwort verbürgen: Ich mach das ab und an und schreibe HR oder dem Hiring Manger, dass mir ein Kandidat bekannt ist und super geeignet wäre (…).  Aber das mache ich auch nur, wenn ich mir dabei nicht die Finger verbrenne. Also bloß weil wir uns vor 10 Jahren auf XING geadded haben und nunmehr auch auf LinkedIn bekannt sind, … nein das reicht nicht dafür aus, dass ich die Hand ins Feuer lege, schließlich geht es auch um meine Reputation. Ähnliches gilt für Vereinszugehörigkeiten oder ähnliches. Aber wenn man schon miteinander gearbeitet hat und es sich nicht mehr um reines Vorschussvertrauen handelt – klar, dann schreib ich gerne eine Mail. Einige, für die ich das gemacht habe, sind nun Kollegen! Andere nicht. Welchen Einfluss das tatsächlich hat, kann ich nicht beantworten, aber es schadet im Normalfall nicht.

Tipp 2: LinkedIn ist wichtig!

Als Standardtipp:  Online Profile aktuell halten, das betrifft vor allem LinkedIn. Das nicht nur wegen HR, oft bittet auch ein Manager einen seiner Mitarbeiter, man möge sich mal den einen oder anderen Kandidaten ansehen oder man sitzt im Assessment Center mit dabei. Selbst wenn man einen CV weitergeleitet bekommt, schaut man schnell mal in LinkedIn rein. Garantiert. Das gilt auch dann, wenn man den Job hat! Als Kollege wirft man auch mal einen Blick auf den oder die Neue.

Zudem ist es fast ein wenig eine Intelligenzfrage, wenn man sich kurz in Erinnerung ruft, wem LinkedIn gehört. Sollte das Profil also nicht aktuell sein oder noch schlimmer: gar nicht vorhanden sein, dann kann es mit einer Bewerbung bei Microsoft nicht sonderlich ernst gemeint sein.

Tipp 3: Wer ist der Hiring Manager?

Hilfreich ist immer, wenn man das in Erfahrung bringen kann. Auch wenn HR ein gewichtiges Wort mitsprechen kann bzw. auch ein Veto einlegen kann, wenn da ein „red flag“ zu sein scheint: Die Person, die zumeist über ja/nein entscheidet, ist der Hiring Manager.

Diese Person ist überhaupt auch später extrem wichtig, wenn da die Chemie nicht stimmen sollte, dann wird es mühsam. Das betrifft den gesamten Arbeitsablauf, die Freiheitsgrade bei der Ausübung im Job und auch wie ernst es mit der „New World of Work“ tatsächlich ist, z.B. beim Home Office. Und geht weiter mit der Karriereplanung oder beim Jahresbonus, der je nach Tätigkeit durchaus erheblich sein kann. Bei Sellern zählt natürlich erst mal die Quote, aber jeder hat auch einen Anteil an weicheren Zielen, die letztlich subjektiv bewertet werden. Hier könnte ein Mitarbeiter jederzeit schlecht bewertet werden. Killerphrasen um den Bonus zu schmälern: „Hat kein Growth Mindset“ oder „Nicht bereit für die Transformation“. Kurzum: Erkennt man, dass es mit diesem Manager wohl nicht klappt, dann … auf der anderen Seite… nix ist fix:

Tipp 4: Nicht auf den einen Job oder den Manager fixieren.

Das kann alles recht schnell wechseln. Wäre nicht das erste Mal, dass jemand unterschreibt und zwei Monate später, wenn der Job angetreten wird, gibt es diese Rolle oder den Manager nicht mehr. Da kenn ich viele, die dann etwas völlig anderes gemacht haben, als geplant. Das mag jetzt überraschend klingen, wenn ein Job nicht mal 2 Monate bestand hat, aber Dynamik ist Voraussetzung, spätestens mit einem neuen Geschäftsjahr gelten sowieso wieder neue Regeln.

Tipp 5: Um welchen Job geht es tatsächlich?

Hier habe ich schon öfters gehört, dass sich die Darstellung im Inserat oder die Informationen seitens HR von der Realität etwas unterscheiden. Das betrifft zum Beispiel Einschätzungen, wie technisch eine Rolle ist. Wenn da jemand sagt „das ist sehr technisch“, dann ist das mitunter „relativ“ zu verstehen.

In Zeiten von LinkedIn und der relativ überschaubaren IT-Branche in Österreich: Vielleicht gibt es jemanden, den man kennt oder ansprechen kann, der die Rolle entweder gerade jetzt ausübt oder ausgeübt hat und hier echte Insights weitergeben kann. Sodass man zumindest abschätzen kann, ob es eine Sales Rolle „draußen“ ist, eine interne Excel-Rolle (die weder etwas mit dem Produkt, noch mit einem Kundensegment wirklich etwas zu tun hat) oder ob es sich um einen Escalation Engineer für Notfälle handelt. Macht dann doch einen Unterschied.

Eine weitere wichtige Information wäre: Wie hoch ist die Fluktuation in dieser Abteilung bzw. Jobrolle. Liegt diese bei weit über 50% im Jahr, dann sollte man etwas risikobereiter veranlagt sein. Zumindest aber versuchen zu erfahren, warum das so ist. Möglicherweise sind die Ziele unrealistisch, oder das Management regt zur Flucht an, … irgendeinen Grund muss es geben und das Wetter wird es nicht sein.

Also … LinkedIn anwerfen und mal schauen.

Vielleicht auch noch generell: Microsofties sind kommunikativ, man kann durchaus mal auf einer Veranstaltung mit einem Mitarbeiter ins Gespräch kommen und Fragen stellen. Das gilt natürlich umso mehr, wenn man dann mit an Bord ist: Fragen, fragen, fragen, …

Ach ja, auch das kommt regelmäßig vor, deswegen ein Hinweis für diejenigen, die Singen und Klatschen als Hauptfach an der Schule hatten (wobei ich vermute, dass die diesen Artikel ohnehin nicht bis hierher gelesen haben):  Über Facebook anfragen, wo man sich bewerben kann, zeigt nicht Interesse an der Firma, sondern dass man keine Suchmaschine bedienen kann.

Für Uni-Absolventen

Zwei Programme, einmal Praktikum, einmal wenn man mit dem Studium (fast) fertig ist. Bei beiden startet man mit einer Bewerbung wie für einen „normale“ Job, dann folgt ein mehrstufiger Prozess u.a. mit Skype-Interviews und Assessment Center:

  • Microsoft bietet Praktika bzw. Internships an, allerdings ausschließlich mit einer Länge von 6 Monate. Anfragen zu kürzeren (Sommer-) Praktikumsplätzen, die natürlich auch oft kommen, werden abgelehnt .
  • Wenn man gerade mit Studium fertig ist, oder sich in den letzten Zügen befindet, dann ist das Microsoft Academic Hire Program (MACH) ein guter Einstieg – und sehr begehrt.

Hinweis 1: Sowohl bei den Praktika, als auch im MACH Programm handelt es sich um „echte“ Jobs. Nebentätigkeiten wie Studium sind nur begrenzt möglich, der Tag hat nur 24h. Klar: Etwas entschärft ist das beim Praktikum, wenn man nach 6 Monaten ohnehin wieder weg ist, aber nix mit Kaffeeholen und Kopieren gehen. Und letztlich führt das Praktikum möglicherweise zur MACH-Position, also will man sich da keine Blöße geben.

Hinweis 2: Job Messen wie z.B. der TU Wien Career Day eignen sich gut HR persönlich kennenzulernen. Wenn man sich also für Praktikum oder MACH bewerben will, dann kann man parallel auch mal die Gelegenheit auf der Messe für ein persönliches Gespräch nutzen.

Mehr Information auf https://careers.microsoft.com/students. Dort findet man auch die offenen Positionen für Praktika und Internships (wobei zum Zeitpunkt, wo ich as geschrieben habe, keine Internships ausgeschrieben waren):

Filter auf Österreich und Student:

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Dann nochmal Österreich (hmm….), dann sollte man die Positionen sehen.

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Für wen ist der Job nichts?

Bevor man sich jetzt bewirbt noch ein paar Dinge, die man wissen sollte. Nichts Überraschendes, aber gehört mal gelesen. Um bei Microsoft glücklich werden zu können, sollte man:

  • Druck muss man aushalten können. Die Ziele sind hart. Waren sie immer, werden sie auch immer sein. Aus Konzernsicht sind sie gerade mal so erreichbar, wenn man sich ganz doll anstrengt. Normalerweise schuldet man als Angestellter das Bemühen und die Zeit, bei Microsoft aber vielmehr den Erfolg bzw. das Werk (=Scorecard).
  • Selbständiges Einteilen von Ressourcen muss man können. Das beinhaltet vor allem auch die eigenen (körperlichen) Ressourcen und die persönliche Zeit. Wer von jeher gewohnt ist vom Kindergarten abgeholt zu werden, dann in der Schule sich ruhig zu verhalten um auf der FH bei Pflichtpräsenz im Hörsaal nicht vom Stuhl zu fallen… nein, bei Microsoft musst Du Dir Dein Leben selbst einteilen.
  • Kein 9-to-5 Job. Aber auch kein 24h/Tag Job. Wenn Ziele komplett unerreichbar sein sollten, dann gibt es einen Manger, der Pushback geben kann. Er wird nicht nur dafür bezahlt nach unten hin Druck auszuüben. Dazu gehört aber auch ein auf eine gewisse Weise gefestigter Charakter, den man haben sollte (und der Manager auch).

Was bietet der Job so?

Ok, das ist schwierig, weil es ja so komplett unterschiedliche Jobs bei Microsoft gibt. Aber generell:

  • Die Basics stimmen. Die Bezahlung ist allgemein ok, die anderen Benefits (Versicherungen, Firmenwagen, Aktienpakete usw…) je nach Position ebenso, die Bezahlung erfolgt immer pünktlich. Alles vorbildlich.
  • OMG gibt es viel Infos. Eigentlich bräuchte man nie wieder ein Buch kaufen, es gibt so viel spannende Informationen im Corpnet. Damit meine ich nicht nur Produkte, sondern … das geht bis zur Grundlagenforschung durch Microsoft Research. Waaaaaahnsinn. Für Wissbegierige und Neugierige ist es ein El Dorado.
  • Interne Konferenzen: Zur Weiterbildung bzw. Einstimmung auf das Geschäftsjahr gibt es Events wie MGX oder TechReady. Da kommen tausende Kollegen aus allen Ländern der Welt zusammen, um gemeinsam die Welt zu retten. Tolle Sache, muss man mal dabei gewesen sein. Ist natürlich sehr amerikanisch, wenn 16.000 Mitarbeiter in einem Stadion den CEO beklatschen, aber weniger sektenhaft als befürchtet. Leistet sich auch nicht jede Firma. Auch dazwischen gibt es immer wieder mal Gelegenheit für die eine oder andere Reise (gut, oft sieht man Flughafen-Hotel-Flughafen), aber trotzdem nett.
  • Wenig Wiederholung. Mir wird ja langweilig, wenn ich etwas zu lange mache, dann reizt mich „was neues“. Aber bei Microsoft… dadurch, dass wir ohnehin unsere Themen jedes Fiskaljahr wechseln, kommt da wenig Langeweile auf. Die Themen sind auch meist spannend.
  • Freiheitsgrade: Obwohl amerikanischer Konzern, darf man relativ viel selbst denken.
  • Man sieht die Zukunft. Wir arbeiten oft mit den neuesten Dingen, abhängig von der Rolle. Manchmal sind wir dem Kunden gefühlte 10 Jahre voraus. Worauf uns der auch nicht versteht, zum Glück gibt es Microsoft Partner zum Übersetzen. Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn ein Projekt funktioniert und man einen Teil dieser Zukunft auf den Kunden übertragen kann. Irgendwie… die Welt retten.
  • Die Fähigkeiten zum Assimilieren der Borg bzw. von Microsoft: Alles in allem schafft es das Unternehmen relativ schnell, dass sich neue Mitarbeiter in das Kollektiv einfügen und somit das „Microsoft-Lebensgefühl“ selbst ausstrahlen. Bemerkt man auch daran: Alle sind irgendwie überarbeitet du zu 100% ausgelastet, aber: Wenn man jemanden um Hilfe fragt, bekommt man sie auch. Cool.

„Arbeitgeber Microsoft“, weitere Artikel:

Wer immer auch Lust verspürt, Karriere bei Microsoft gibt es unter: https://careers.microsoft.com/

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