Windows 7 Professional Deutsch Original um 3,90 EUR

Immer wieder melden sich Personen, die ein Problem mit Windows-Versionen haben, weil sie plötzlich nicht mehr aktiviert sind. Wenn man dann nachfragt, woher denn die Version kommt, dann ist sie „im Internet gekauft“. Der Fragesteller, schon ahnend dass da was nicht ganz sauber war, hat natürlich dann keinen Kaufnachweis oder es war „irgendwann auf eBay“.

Oft kommen die geschädigten Käufer im Zuge einer Neuinstallation dahinter, dass ihr Produktschlüssel eigentlich zu einer Volumenslizenz gehört und sie den Datenträger gar nicht haben. Oder Microsoft hat gestohlene oder illegale Schlüssel mittlerweile gesperrt. Der Händler ist natürlich längst nicht mehr greifbar. Immer zur Stelle sind dann jene, die zwar wenig juristisches Hintergrundwissen haben, aber genau bestimmte MS DOS- oder Oracle- oder SAP-Urteile interpretieren können wollen,… und damit dubiosen Händlern weiter Kunden zuführen. Wem auch immer damit geholfen sein soll (außer genau diesen Händlern), bei allem Verständnis, dass man sich natürlich als Benutzer etwas sparen will,…

Bauernfänger mit guten Anwälten

Natürlich versucht Microsoft illegale Angebote aus dem Netz zu nehmen. Ist ein Katz- und Mausspiel. Microsoft kann nicht einfach behaupten, dass ein bestimmtes Angebot nicht legal ist und das tue ich auch in diesem Artikel nicht.

Ich wäre schlecht beraten, irgendeines der hier gebrachten Beispiele als illegal zu bezeichnen. Bloß könnte ich nicht sagen kann, ob tatsächlich eine Lizenz erworben wird, es dürfte für unbedarfte Nutzer noch viel schwieriger sein, legale und illegale Anbieter auseinanderzuhalten. Ich vertraue auf die Justiz, die Behörden sowie die Markteilnehmer, dass alles rechtens ist. Ich zeige also einige Dinge oder Warnsignale auf, bei denen bei MIR etwas Zweifel aufkommt.

Die Antwort wäre natürlich postwendend eine juristische, denn solange niemand verurteilt ist… so hatte zum Beispiel „PC Fritz“ eine einstweilige Verfügung gegen die Behauptung von Microsoft erwirkt, der Dienstleister würde mit illegalen Kopien handeln. Endete dennoch im Gefängnis für die Fritzen, es wurden gefälschte Recovery DVDs mit ebenso unechten Zertifikaten verkauft, und das um Millionen,… .  Manche Händler entziehen sich der Justiz, indem sie die Firmen dauernd umbenennen, umgründen oder umziehen – schneller als der Staatsanwalt nachkommt. Andere Angebote sind zwar fragwürdig, aber möglicherweise sogar tatsächlich legal. Deshalb hier nur einige Beispiele, wo ich mich fragen würde:

Erwerbe ich da wirklich eine Lizenz?

Beispiel 1 – Der eBay-Händler:

Ein eBay-Verkäufer gibt an, das Produkt „Windows 7“ als DSP Version zu verkaufen, die angeführte Produktnummer/SKU gehört zu einer „Systembuilder“-Version.

  • Geizhals listet dieses Produkt mit einem Bestpreis von rund 130 EUR.
  • Der eBay Händler will dafür 3,90 EUR.

Bei so einem Preisunterschied läuten die Alarmglocken. Noch viel mehr, wenn man sich die Artikelbeschreibung durchliest, diese passt schon mal nicht mit der SKU zusammen, denn in der Beschreibung ist plötzlich nicht von einer DSP Version die Rede, sondern von einer OEM. Was an sich auch noch ok wäre, aber dennoch seltsam. Laut Beschreibung gibt es keinen Aufkleber, keine DVD, eigentlich hat man überhaupt keinen Lizenznachweis, außer einem Key, die ein Händler per Mail schickt. Für 80 Käufer war das kein Problem:

ebayWin7.png

Nun, vielleicht ist dieses Angebot ja auch absolut in Ordnung! Mal schauen wo der Händler sitzt. Hmm, eine UG, die ausschließlich auf eBay tätig ist und ihren Sitz offenbar in einem eher mit Privatwohnungen ausgestatteten Plattenbau hat. Es lebe die Ich-AG!

Beispiel 2 – Der Profi:

Um nicht dauernd auf eBay herumzuhacken, hier ein Händler mit professioneller Webseite mit allem drum und dran. Hier ein Bildzitat der Webseite, das dokumentiert erstaunliches, denn der Händler ist so perfekt, dass er sogar Produkte verkauft, die es gar nicht gibt …

w10ent.png

Auch ein gelungenes Packungsdesign, man beachte die Verwendung von Trademarks oder dem „Original Microsoft Software“-Logo (das so auf den echten Packungen gar nicht vorhanden ist). Unter der Microsoft Webseite wäre das jedenfalls nicht unter „So erkennen Sie Original-Software“ gelistet. Sollte also dieses Angebot also gültig sein, dann müsste sich der Händler zumindest vorwerfen lassen, durch selbst erfundene Packungen unnötig für Alarmglocken-läuten zu sorgen.

Zum Hintergrund: Für Enterprise ist ein Abo bei Microsoft notwendig. Es wäre mir nicht bewusst, wie man ein Windows 10 Enterprise als Single-Lizenz um eine Einmalzahlung beziehen könnte. Laut Beschreibung handelt es sich um eine „Retail-Lizenz“. Ein solches Retail-1PC-Dauerlizenz-Windows-10-Enterprise-Produkt gibt es schlicht nicht, in keinem Vertrag. Und hier kann auch schwer mit der Erlaubnis Volumenslizenzen aufsplitten zu dürfen argumentieren, denn Abo bleibt dennoch Abo, sprich irgendwer muss für die laufende Lizenz zahlen – wer wäre das in diesem Fall? Man könnte schon eine einzige Lizenz über CSP erwerben,… aber das ist sinnbefreit und wäre auch ein Abo. Kurzum: Ein „Privater“ wird niemals eine Enterpriseversion haben, siehe auch: Unrechtsbewußtsein oder wie man zum Gratis Update für Windows 10 Enterprise kommt

Aber das sind nur Details, immerhin spart man sich 40%.

Beispiel 3 – Die Reseller-Plattform:

Auch an sich (möglicherweise) seriös geltende Plattformen vertreiben schon mal genauso dubiose Angebote. Hier einfach mal ein Screenshot von Rakuten:

rakuten.png

Na bitte. Gut, beim Angebot um 5,99 in der letzten Zeile schützt sich der Händler eventuell vor juristischen Konsequenzen, indem er Microsoft falsch schreibt, aber dafür hat man wieder 2 EUR zu jenem Händler gespart, der zumindest das hinbekommt. Irgendwie sind sich die Shops aber auch nicht ganz einig, was denn der Listenpreis für Windows 7 wäre. 128 EUR oder doch 129 EUR? Oder 109? 39? Ich vermute Rakuten kann nicht mehr als zweistellige Rabatt-Badges, sonst könnte man ja auch -156% machen. Das wäre dann aber zu offensichtlich eigenartig.

Oder von Amazon. Alles natürlich Marketplace-Angebote.

amazon.png

Teilweise sogar mit Versand durch Amazon, sogar mit Prime – finde ich ja toll! Ich persönlich könnte da zwar bei der einen oder andern Sache die Augenbraue heben. Mal eben in Rezensionen beim Prime Angebot schauen:

„Die Aktivierung war nicht möglich, laut Microsoft-Mitarbeiter ist der Code schon seit längerem gesperrt.“

Echt? Na so was. Aber einfach mal schauen, was es kosten würde, wenn man nicht nur den Versand, sondern auch den Verkauf durch Amazon will. Und siehe da:

amazon2.png

Ach, jetzt kostet das plötzlich gleich viel mehr. Ein Wunder? Tja, man kann über Amazon-Marketplace nicht nur Elektronik kaufen, die der TÜV wegen Lebensgefahr nicht mal unter Zwang testen würde, … Die traut sich Amazon dann aber nicht (selbst) verkaufen. Wenn ich ein „normaler“ steuer- und abgabenzahlender Händler wäre, ich wäre da ganz schön „not amused“ auf Amazon.

Tipps:

  • Ist ein Angebot zu gut um wahr zu sein, dann ist es auch nicht wahr. Das gilt für die in der Lagerhalle gefundenen iPhones um 50 EUR genauso wie für den umzugsbedingt günstig abzugebenden BMW X5 um 6000 EUR und auch die Windows Lizenz um 19 EUR ist davon nicht ausgenommen.
  • Der Erwerb von Software über eBay ist generell höchst problematisch. Auf jedes legale Angebot kommen vermutlich 1000 „Schnäppchen“, die alles sind, bloß kein Lizenzerwerb. Oder 1:100000?
  • Wenn ein Anbieter sehr, sehr viel Informationstext dazu hat, warum sein Angebot eigentlich eh legal ist und sich auf bestimmte Urteile beruft, … dann ist mal Vorsicht geboten. Ein seriöser Händler hat es im Normalfall nicht notwendig, seine Kunden erst mit kruden Interpretationen von Urteilen über MS DOS mitsamt juristischer Winkelzüge ob der Legalität seines Geschäftsmodells zu überzeugen.
  • Es sei doch für Firmenkunden angemerkt: Der Geschäftsführer haftet, kommt es im kommerziellen Bereich zu falscher Lizenzierung, dann kann das erhebliche Kosten nach sich ziehen. Gewinnen tun bei dem Spiel nur die Anwälte, die werden in jedem Fall bezahlt.
  • Für Privatbenutzer ist der günstigste Kauf: Windows mit der Hardware mitkaufen. Von einem serösen Händler.
  • Für Firmen: Ein guter, vertrauenswürdiger IT-Partner ist sein Geld schon wert.
  • Setzt man dennoch auf gebrauchte Software, dann würde ich vom Händler verlangen, mir die Lizenzkette nachzuweisen. Wie oft wurde aktiviert und sind diese Kopien gelöscht worden? Wer waren der oder die Vorbesitzer? Nur dann kann ich guten Glaubens vermuten, dass der Wiederverkauf rechtens ist und ich eine Lizenz erwerbe. Kann der Händler diesen Nachweis nicht liefern, oder aber er ist nicht nachprüfbar, dann würde ich Abstand nehmen.

Passende Artikel:

Und letztlich durchaus auch ein Tipp ist die Microsoft Webseite, die ich nicht nur verlinke, sondern auch zitiere:

Mit Ausnahme von Product Key Cards (PKCs), die mit COAs vertrieben werden, vertreibt Microsoft keine Products Keys als eigenständige Produkte. Wenn Sie auf einer Auktionswebsite, in einer Onlinekleinanzeige oder auf einer anderen Webseite einen Eintrag finden, in dem für zum Verkauf stehende Product Keys geworben wird, dann sollten Sie besonders aufmerksam sein. Microsoft Product Keys verkörpern keine Nutzungsrechte an einem Computerprogramm.

https://www.microsoft.com/de-de/howtotell/Shop.aspx

4 Kommentare

  • Gute Zusammenfassung zur Lage von günstigen Win7 Keys!

    Du hast geschrieben „Wie oft wurde aktiviert und sind diese Kopien gelöscht worden?“. Gibt es für Consumer eine einfache Möglichkeit seinen Windows Key zu deaktivieren? Über Google bin ich auf ein Skript gestoßen, das man ausführen kann. Wäre es aber nicht besser irgendwo einen Knopf zu haben, mit dem man Windows wieder deaktivieren kann? Gibt es auch eine Möglichkeit den Aktivierungsverlauf eines Windows Keys irgendwo nachzuschauen?

    • Nein, und genau das ist das Problem. Darum findet sich bei den meisten der Key-Anbietern gleich dabei der Hinweis, dass man die telefonische Aktivierung nehmen muss. Das hat zum einen den Hintergrund, dass die wissen, dass die automatische Aktivierung wegen Mehrfachnutzung nicht durchgeführt wird und wichtiger: Microsoft (oder Avarto oder wer auch immer gerade das Call Center betreibt) wird im Zweifel die Aktivierung durchführen. Wenn ein Key (z.B. ein VL) allerdings schon 2000 Mal aktiviert wurde, dann wird es auch telefonisch nicht klappen. Sollte der Key 1 oder 2 Mal im letzten Jahr aktiviert worden.. ok, dann wird der Anruf klappen. Ich wüsste nicht, wie ich das als Käufer vorher in Erfahrung bringen kann. Sollte mir nur der Verkäufer schriftlich zusichern, dass nicht mehrfach aktiviert wurde (jetzt nehmen wir mal an, dass es den Verkäufer überhaupt physisch in Deutschland oder Österreich gibt), bzw. die Quelle der Keys nennen (z.B. Firmenauflösung XY und nicht russisches Key-Pool-Service), dann hätte ich zumindest eine Handhabe gegen den Verkäufer, im Falle dass es nicht funktioniert.

  • Ein sehr guter Artikel! Auch ich kämpfe in meinem Forum seit Jahren immer weder gegen Windmühlen, wenn User mal wieder das Super-Schnäppchen von Rakuten und Co. ins Gespräch bringen und natürlich selbst da schon bestellt haben oder zumindest jemanden kennen, der es gewagt hat. Natürlich seien die Lizenzen legal und man wäre ja „schön blöd“ wenn man für eine Windows 10 Enterprise Lizenz mehr als 15 Euro zahlen würde. Die angebotene Lizenz war auch eine 1PC-Lizenz und mein Einwand, dass es solch eine Lizenz m.W. gar nicht gibt wurde natürlich ignoriert. Das Problem bei der Geschichte ist, dass die Keys leider doch immer wieder funktionieren, das Microsoft offenbar nicht in der Lage ist diese zeitnah zur Verwendung, zu Prüfen. Zu lange sind diese illegalen Lizenzen nutzbar, da Microsoft zu lange braucht um die Herkunft zu prüfen. Ich denke da z.B. an PC-Fritz und Co, die über Jahre hinweg ihr Unwesen treiben konnten. Dazu kommt der Preis, bei 3,90 Euro sagen sich halt leider viele, dass man das ja mal riskieren kann.

  • das großartige Glashaus...

    Warum gibt’s denn hier am Blog keine News über den Lugner 😀

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