Windows 10 Zwangsupgrade im Faktencheck

Vor einige Tagen hat ein sich ein Benutzer über Facebook gemeldet und sich verwundert gezeigt, ob denn die Berichte rund um das so genannte „Zwangsupdate“ stimmen. Georg (der ja bekanntlich Microsoft Mitarbeiter ist)  wollte oder darf dazu nichts schreiben, also mache ich das.

Microsoft sagt:

Anwender haben die volle Kontrolle.

Und verweist auf den Artikel vom Oktober, wo beschrieben ist, dass das Upgrade „Optional“ ist und dass sie es Anfang 2016 als „Empfohlen“ einstufen. Der relativ neue KB3095675 sagt eigentlich nur, dass sich die Information nicht geändert hat.

Im Netz zu lesen:

Ohne Hinweis, ich war gerade dabei etwas in Word zu schreiben, hat sich der Rechner von selbst dazu entschiedenen Windows 10 zu installieren!

Kann das sein? Was stimmt denn da jetzt? Das wollte ich nachstellen und habe den Selbstversuch gestartet.

Frage: Ist es wirklich möglich, dass ohne Zutun des Benutzers, ohne entsprechende Hinweise, völlig unbemerkt Windows 10 installiert wird?

Antwort: Nein. Mir ist es nicht gelungen, das nachzustellen.

Aber im Detail, ich habe mehrere Windows 7 Maschinen aufgesetzt und verschiedene Szenarien ausprobiert.

Windows Update Einstellungen bei Windows 7

Ein jungfräuliches Windows 7 System hat erstmal gar keine Windows Update Einstellungen, diese müssen vom Benutzer getroffen werden. Hier hat man drei Auswahlmöglichkeiten:

  • Lass Microsoft machen – hier lasse ich Einschätzung was wichtig ist oder was empfohlen ist komplett Microsoft.
  • Nur wichtige Updates – hier werden nur als „wichtig“ eingestufte Updates eingespielt.
  • Lass den Benutzer machen – hier benötige ich das entsprechende Fachwissen um auch bei empfohlenen Updates die Tragweite eines Einspielens – oder nicht Einspielens – abschätzen zu können. Man ist mit den CVE Einträgen vertraut und kann diese auf die Microsoft KBs umlegen.

W10Upgrade0.png

Man kann das natürlich jederzeit ändern. Hier ist auch die Einstellung sichtbar, wo „Empfohlene Updates“ auf die gleiche Art und Weise wie wichtige Updates bereitgestellt werden sollen.

W10Upgrade.png

Diese Einstellungen, die auch die „empfohlenen“ sind, heißen: Wenn ein Update kommt, völlig egal wie groß oder klein und ob denn ein Reboot notwendig ist oder nicht – es wird eingespielt, völlig automatisch. Und wenig überraschend: Das Windows 10 Upgrade ist von Microsoft empfohlen. Aber es ist nicht wichtig😉 Heißt aber: Wenn man als Benutzer eine entsprechende Einstellung getroffen hat, dann hält sich Windows auch daran.

Allerdings: TROTZ dieser Einstellung, verhält sich das Windows 10 Upgrade anders als andere empfohlene Updates. Es kommen nämlich die entsprechenden Hinweise,…

Die GWX App

Den Upgrade Prozess leitet die GWX Applikation. Diese Anwendung übernahm ab Juli die „Reservierungen“ und hilft Benutzern zum Windows 10 Upgrade zu kommen. Mit der Einstufung als „Empfohlenes“ Update benachrichtigt sie auch die Benutzer über den Installationszeitpunkt, der hier gewählt werden kann:

W10Upgrade3.png

Wird kein eigenes Datum gewählt, wird trotz der Einstellung „automatisch“ installieren genau das nicht sofort gemacht, sondern ein Datum mind. 3-4 Tage in der Zukunft gewählt. Ich musste jetzt zum Nachstellen etwas tricksen und mit dem Datum spielen, d.h. auf den nächsten Screens habe mich teilweise in die Zukunft gebeamt.

W10Upgrade.png

Auch gut sichtbar: Sollte man der Meinung sein, dass das jetzt aber ganz und gar keine gute Idee ist, weil man z.B. zu einer Konferenz fliegt, dann kann man das neu planen oder stornieren.

W10Upgrade.png

All diese Fenster sind natürlich im Vordergrund, so auch der Countdown-Timer, wenn’s dann mal so weit ist:

W10Upgrade.png

Auch hier kann man natürlich noch ein paar Stunden draufschlagen oder gänzlich neu planen/stornieren:

W10Upgrade.png

So und dann startet der Upgrade-Prozess. Sollte man wirklich erst jetzt merken, was man denn da eingestellt oder angestellt hat, dann kann man auch wieder zurück. Der erste Screen den man sieht ist ein Login mit dem bestehenden Benutzernamen/Passwort:

W10Upgrade.png

Und dann kommen die Nutzungsbestimmungen.

W10Upgrade.png

Ist man also erst jetzt auf die Idee gekommen, dass man das Upgrade gar nicht möchte, dann kann man hier beherzt ablehnen.

W10Upgrade.png

Windows 10 fliegt wieder von der Platte und das Windows 7 (BTW: gilt alles für Windows 8 genauso) ist wenig später in voller Pracht wieder da. Dieses Rollback hat bei mir gestoppte 72 Sekunden gedauert – allerdings war die Maschine ja frisch aufgesetzt, dennoch war ich überrascht.

Stimmt man allerdings zu, dann wird die Windows 10 Installation fortgesetzt. Hat man auch hier irrtümlich zugestimmt oder stellt man fest, dass Windows 10 – warum auch immer – nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, dann gibt es auch noch später einen Weg zurück. Bis zu 31 Tage nach erfolgter Umstellung kann man zurück zum ursprünglichen System:

Zurück zu Windows 8

Der andere Weg zum Upgrade

Es gibt allerdings neben der GWX Applikation auch die Möglichkeit Windows 10 direkt über Windows Update zu installieren.

W10Upgrade4.png

Das ist aber insofern unspektakulär als hierbei eine Abfrage kommt:

W10Upgrade.png

Fazit

Nein, ohne Information oder gar heimlich installiert sich Windows 10 nicht. Man muss als Benutzer ganz spezifische Einstellungen vorgenommen haben und: Empfiehlt Microsoft Windows 10? Ja, mit Nachdruck. Dennoch kommt es auf den Benutzer an, ohne die Einstellungen entsprechend vorzunehmen, werden keine Updates oder Upgrades installiert.

Zusammenfassung:

Windows Update verhält sich so, wie es der Benutzer eingestellt hat. Windows 10 ist ein „empfohlenes Update“ zu Windows 7 und 8, wenn der Benutzer sein System so konfiguriert hat, dass „empfohlene Updates“ automatisch eingespielt werden, dann folgt Windows Update dieser Benutzerkonfiguration.

Warum gibt es dann solche Berichte im Netz über Zwangsupgrades? Ich VERMUTE, dass Benutzer Fenster oft wegklicken, irgendwelche Einstellungen vornehmen oder irgendwas doppelklicken und dann überrascht sind, was passiert. Eine recht einfache aber vermutlich zutreffende Erklärung.

Das Upgrade verhindern

Es steht auf geschätzten 1 Million Webseiten, dass man das Update KB3035583 entfernen soll, wenn man auf ewig Ruhe vor Windows 10 haben möchte. Bloß: Dieser KB wird häufig aktualisiert, er würde jedes mal wieder auftauchen. Es ist mir rätselhaft, warum dieser unbrauchbare „Tipp“ immer wieder gegeben wird.  Auf den einzig richtigen Weg wurde von Georg vor dem Start von Windows 10 im Juli 2015 hingewiesen: HowTo: Wie man die GWX App und Windows 10 bekommt – oder wie man es verhindert. Heise ist übrigens so nett und hat die beiden Registry-Keys in eine Datei verfrachtet, sodass das eine 1-Klick Aktion ist: Upgrade auf Windows 10 per Doppelklick verhindern.

9 Kommentare

  • Pingback: Anonym

  • nothing more to say …

  • Und wenn es auf 10 Millionen Webseiten steht, das wird nicht gelesen. Weil man erst gar nicht nachsieht. Man ärgert sich halt lieber und scheibt die Schuld wo hin.
    Aber ich denke das hier die Medien auch ihren Anteil haben, wie oft kann man lesen, Zuwangsupdate von Microsoft. Das ist halt ein Aufhänger den viele gerne lesen. Viel lieber als, So schalten sie es ab. Eine Nachricht muss heute spektakulär sein. Das ist halt so wie mit den, Wenn sie das lesen/gesehen haben werden sie nie wieder…….. .-)

  • Ach, wen interessieren schon Fakten? Damit kriegt man doch keine Klicks zustande. Besser ist da schon sowas wie
    http://www.chip.de/news/Jetzt-spinnt-ihr-voellig-Microsoft-Windows-10-Zwangsinstallation-am-Samstag_92091810.html

  • das großartige Glashaus

    Wie passend, wenn es um 12 Stunden Dauerregen geht, scheint sich der GWX Updatehinweis gleich angesprochen zu fühlen😀

    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/microsoft-windows-10-stoert-wetterbericht-im-us-tv-a-1089795.html

  • Zur Ergänzung möchte ich hie noch eine Möglichkeit anführen, wenn man schon den Umstieg auf Win10 partu nicht durchführen will:

    Für das Windows 10 Upgrade ist das GWX-Tool (KB3035583) verantwortlich. Dieses Tool kann man aber deinstallieren.

    1) „Systemsteuerung“, „Windows Update“, „Updateverlauf anzeigen“ und „Installierte Updates anzeigen“ und KB3035583 deinstallieren.

    2) Startseite von Windows Update (unter Systemsteuerung) links auf Einstellungen ändern. Im neuen Fenster das Häkchen „Empfohlene Updates auf die gleiche Weise wie wichtige Updates bereitstellen“ entfernen und mit OK bestätigen. Anschließend wird das WIn10-Tool nur noch unter optionalen Updates angeführt. (Damit Windows eben dieses Tool nicht mehr als WICHTIG bezeichnet)

    3) Jetzt mit der rechten Maustaste (Klick) das Tool ausblenden.

    • Nein. Der Artikel ist inhaltlich ziemlich fragwürdig, weil das „x“ wie immer einfach die Benachrichtigung bzw. das Fenster schließt (was soll es auch anderes tun?). Natürlich wird durch Klick auf „x“ NICHT zugestimmt (aber auch nicht abgelehnt) und selbstverständlich wird dadurch auch am System keine Einstellung geändert. Es ist ein ganz normales Fenster schließen,… Die Benachrichtigung dient dazu, den Benutzer vor unliebsamen Überraschungen zu schützen – konkret: Obwohl der Benutzer gesagt hat, dass empfohlene Updates automatisch eingespielt werden sollen, wird hier nochmal erinnert und eine Gelegenheit gegeben das Update zu verschieben, falls der Zeitpunkt (warum auch immer) ungünstig ist. Es ist KEIN Fenster die generellen Update Einstellungen zu ändern und auch keine Zustimmung/Ablehnung für das Upgrade, weil das an anderer Stelle gemacht werden kann (bzw. wurde).

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