Der Hund hat meine Windows-DVD gefressen.

Offenbar sind Haustiere für die richtige Lizenzierung von Windows äußerst gefährlich. Vor kurzem hatte sich jemand per Facebook gemeldet, dass sein Windows 10 Upgrade nicht aktiviert war. Wie sich herausstellte, war auch Windows 7 nicht aktiviert. Und das konnte er nicht aktivieren, weil eben der Hund die DVD samt Key verspeist hätte. Wir mögen ihm doch einen neuen Key schicken.

Der arme Hund.

Zum Glück positiv geendet hat diese Geschichte:

kater

Linux darf kopierte Spiele und unautorisierte Hardware blockieren

Und Windows 10 ist schuld.

Yeah, auch ich kann Clickbait-Überschriften. Aber wie immer der Reihe nach. Offenbar ist es ein (altbekannter) Sport bei Release eines Microsoft-Produkts, dieses madig zu machen. Es braucht dazu auch nicht wirklich irgendwelche Tatsachen, es reicht, wenn man irgendetwas behauptet.

Nehmen wir diese Meldung: „Windows 10 darf kopierte Spiele und unautorisierte Hardware blockieren“

Hier wird behauptet, dass Windows 10 die Festplatte durchsucht und illegale Kopien von Software deaktiviert. Wow. Bloß: Tatsächlich vermischt man hier verschiedene EULAs und erfindet ein Szenario, das es so nicht gibt.

Beispiel:  Bob nutzt ein gecracktes Spiel. Er spielt dieses auf einem Gameserver von Microsoft. Er nutzt als OS Linux.

Damit unterliegt Bob natürlich nicht dem EULA von Windows 10. Aber natürlich unterliegt er den Online Services von Microsoft. Und Microsoft nimmt sich nun das Recht heraus, diesen Zugang zu blockieren.

Sprich: Das hat nichts mit dem Betriebssystem zu tun, sondern mit den Services die man nutzt!

So, jetzt stellt sich die Frage, warum das von Personen als „Windows 10 Skandal“ dargestellt wird. Absichtlich oder wissen sie es nicht besser?

Übrigens: Natürlich nutzt Windows 10 auf Wunsch des Benutzers verschiedenste Online Dienste, die dann dem Servicevertrag unterliegen.

Quellen:

PS: Meine Überschrift ist natürlich Blödsinn. Die von anderen Medien auch.

[UPDATE 17.8.2015 11:05]

Das Medium hat den Artikel leicht angepasst, die Überschrift enthält nun ein „?“ und so sicher ist man sich halt nicht, was denn nun Vermutungen und Fakten sind. Traurig, und das wissen die Medien ganz genau: der Artikel ist ohnehin von gestern, die Aufregung ist passiert, eine spätere Entgegnung oder Korrektur wird nur noch von einem Bruchteil wahrgenommen. Und das gemeinte Medium war ja nicht die Erstquelle, letztlich nur ein Beispiel für Copy & Paste „Journalismus“ der ohne Faktencheck, ohne Rückfrage, ohne Prüfung auf Logik die Leute aufhetzt.

FAQ: Oft gestellte Fragen zum Windows 10 Upgrade

Ein Microsoft-Partner hat mir einen Fragenkatalog geschickt, den ich hier beantworte. Es handelt sich dabei aber auch um Fragen, die Microsoft auch oft auf Facebook gestellt werden.

Wo bekomme ich Windows 10 her?

Nun: einerseits durch die Reservierung, aber man kann das auch beschleunigen und *sofort* auf Windows 10 wechseln. Microsoft bietet völlig unkompliziert einen Installer an (das Media Creation Tool), mit dem man sich ein ISO oder einen USB-Stick mit Windows 10 erstellen kann.

Dieser kann auch für interne Upgrades innerhalb der Firma genutzt werden, oder um Kunden-PCs einzeln zu aktualisieren.

mediacreationtool

Folgende Versionen stehen zur Verfügung:

  • Windows 10 Home (für Windows 7/8 Core, Bing, Home)
  • Windows 10 Pro (für Windows 7/8 Pro oder Ultimate)

Jeweils in 32/64-Bit und den entsprechenden Sprachen. Während man 32/64-Bit auf einen Stick packen kann, so muss jeweils für Home und Pro sowie die Sprachen ein eigener Stick her (wenn man dieses Tool benutzt).

Hier geht’s zum Media Creation Tool: http://go.microsoft.com/fwlink/p/?LinkId=616447

Ein paar Hinweise noch:

Das UPGRADE ist ein UPGRADE – Mein PC ist nicht aktiviert?!

Viele Fragen erreichen uns rund um die Aktivierung. In fast allen Fällen hat der Benutzer das ISO genommen (oder den USB-Stick, die DVD) und „clean“ installiert – das ist kein Upgrade, deswegen benötigt das auch einen Windows 10 Key.

Die richtige Vorgehensweise ist: zuerst vom aktivierten und installierten Windows 7/8 die Installation starten. Es ist es nicht notwendig die Bootreihenfolge zu ändern, diese sollte nach wie vor auf das eingebaute Laufwerk zeigen, nicht auf USB. Möchte man keine Daten behalten (sauberen Neustart), kann das auch direkt beim Upgrade ausgewählt werden.

Clean Install

Sollte ein Clean Install dennoch gewünscht sein: dennoch zuerst das Upgrade vornehmen! Beim Upgrade wird die Hardware-ID gespeichert, diese wird zur neuerlichen Aktivierung verwendet. Sollte man später clean installieren wollen, braucht man auf dieser Hardware nicht nochmal die Basisversion installieren, sondern kann direkt auf Windows 10 gehen – einfach KEINEN Key eingeben, wenn der Installer diesen verlangt. Es wird dann online aktiviert.

Oft lese ich Tipps zum Auslesen des Produktschlüssel. Das ist… komplett sinnbefreit, denn der beim Gratis-Windows 10 hinterlegte Key ist generisch und eignet sich nicht zur Aktivierung (eine Art „Consumer-KMS“, wenn der Vergleich gestattet ist).

Sind sonst Änderungen am Gerät vorzunehmen?

Weg mit Registry Cleanern und Tuning Tools. Auch wenn man fix der Meinung ist, dass diese irgendetwas bewirken, so wie ich das mitbekomme sind sie mehr Quelle von Problemen als deren Lösung. Selbiges gilt für Sicherheitsprodukte bestimmter Hersteller um so mehr, wenn man von Windows 7 kommt. Wer wirklich an solche Software glaubt, kann diese ja nach erfolgreicher Umstellung erneut installieren.

Bleiben meine Daten erhalten? Brauche ich ein Backup?

Ja, wenn man möchte bleiben die Daten und Programme erhalten. Dennoch sollte einem auch der Hausverstand sagen, dass man von den wichtigsten Dateien, vor allem, wenn sie unwiederbringlich sind (Fotos, Diplomarbeit, die Konstruktionspläne für den Todesstern), ein Backup hat.

Sollte der Installer anzeigen, dass nur die Daten erhalten bleiben, nicht aber die Programme, dann hat man mit ziemlicher Sicherheit eine andere als die installierte Basis-Sprachversion heruntergeladen.

Warum man dennoch auf die Reservierung warten könnte?

Die Reservierung hat eine eigene Überprüfung für die Treiberverfügbarkeit eingebaut. Es hat schon einen Grund, dass Microsoft das Upgrade in Wellen ausspielt.

Stichwort Treiber

Kandidaten zur manuellen Überprüfung sind Audio- und Videotreiber. Wenn bestimmte Auflösungen nicht vorhanden sind, der Bildschirm flackert oder ähnliches… auch wenn der Rechner generell langsamer ist, als die vorhergehende Installation, dann ist das ein deutliches Zeichen, dass da etwas noch nicht ganz stimmt.

Das Gratis Upgrade ist keine Volumenslizenz

Auch ein Volumenslizenzkunde könnte einzeln seine VL-Windows 7/8 Rechner mit dem Gratis-Upgrade ausstattet. Nur: das ist dann eine „einzelne“ Version. Sprich: Rechte aus der Volumenslizenz wie etwa Re-Imaging (Rollout eines Images) stehen dann nicht zur Verfügung. Will man das, so muss man entsprechende Lizenzen haben und über das VLSC Windows beziehen.

Enterprise bekommt kein Upgrade?

Stimmt so nicht. Wenn jemand Software Assurance (SA) hat, und somit Zugriff auf Windows 7/ Enterprise einsetzt, dann bekommt er auch Windows 10 Enterprise. Aber nicht „gratis“ (weil er ja für SA zahlt), dafür auch nicht nur im begrenzten Zeitraum.

Es gibt nur den seltenen Sonderfall, dass jemand Enterprise ohne SA hat (aus dem Vertrag rausgekauft): Ja, dann hat man auch auf das Upgraderecht verzichtet.

PS: Ja, das sind „old news“ für viele Leser. Aber nicht jeder bekommt alle Informationen mit, …