Windows 8: Vertriebsmodelle für Business-Apps

WindowsStore_1Wie verkauft man Apps an Business-Kunden und verwendet man dazu den Windows Store?

Eine Möglichkeit besteht darin, mittels Enterprise Sideloading die App innerhalb des Unternehmens zu verteilen. Das ist vor allem bei Business-Anwendungen („Line of Business“-Apps) eine interessante Möglichkeit, wenn die App selbst nicht im Public Store sein soll. Dazu sind aber, wie beschrieben, einige Voraussetzungen beim Kunden notwendig (Enterprise Version bzw. Sideloading Keys, Signaturen), eignet sich daher vorrangig bei Inhouse-Entwicklung oder größeren Installationen.

win8pushbiWenn man aber als Entwickler seine App einer größeren Menge an Kunden verfügbar machen will, dann geht das natürlich über den Store selbst um einiges einfacher. Damit lassen sich Kunden weltweit adressieren,… eine schöne Geschichte liefert ExtendedResults, ein Anbieter einer BI Lösung der offenbar sehr happy ist mit Windows 8 ist. Deren Business Intelligence Lösung PushBI (Download im Windows Store) ist eine reine Enterprise App, die Firma freut sich nach Veröffentlichung ihrer Windows 8 App über durchschnittlich 35 bis 50 neue Leads pro Woche. Dass sich das im Enterprise-Umfeld recht schnell bezahlt macht, ist wohl offensichtlich. Mehr dazu unter: We are Cranking it OUT on Windows 8! We Found GOLD!

Wie haben die das geschafft? Nun, sie nutzen den Store zur Softwareverteilung und als Bewerbungsplattform, verrechnen ihre Services aber über einen eigenen Kanal. Damit sind wir schon bei den zwei grundlegenden Vertriebsmodellen bzw.  Möglichkeiten der Monetisierung bei Verwendung des Windows Stores:

Payment über den Windows Store

Bezahl-Versionen, Trial-Versionen, In-App-Purchases… alle Möglichkeiten, die das Herz begehrt. Alle Zahlungen werden im Verhältnis 70/30 zwischen dem Developer und Microsoft geteilt, bei erfolgreichen Apps, die über 25000 US$ machen, ändert sich das zu 80/20 – erfolgreiche Entwickler werden so noch besser entlohnt.

Vorteile:

  • Man muss sich als Anbieter um nichts weiter kümmern, Microsoft übernimmt die gesamte Abwicklung.

Nachteile:

  • Jeder Benutzer, der eine App kauft, muss dies mit seiner privaten Kreditkarte oder seinem PayPal-Konto tun, eine Verrechnung an eine Organisation/Firma ist derzeit nicht möglich.

Weil das nicht für jeden passt, hier eine weitere Möglichkeit:

3rd Party Commerce Transaction Provider

Nun gibt es Anwendungsfälle, wo man einer ganzen Organisation (z.B. einem bestimmten Unternehmen, einer Schule,…) eine App anbieten will. In diesem Fall kann man die Bezahlung außerhalb des Stores abwickeln oder auch mittels eines eignen Bezahlsystems in der App selbst – je nach dem, was passender erscheint. (BTW: Das ist etwas, das mitunter bei anderen Store-Anbietern ausdrücklich verboten ist).

Dazu stellt man die App gratis in den Store, erfordert aber z.B. ein Login, wo man den bezahlenden Kunden identifiziert und dann das volle Service zur Verfügung stellt. Die Bezahlung erfolgt dann mittels eines eigenen Systems (und sei es, dass man dem Kunden eine Rechnung per Post schickt,… wie auch immer). Zu beachten ist allenfalls, dass auch hier Richtlinien bei der Zertifizierung gelten, siehe Punkt 4.7 der Windows 8 app certification requirements: „If you use a commerce transaction provider other than the Store’s, you must identify the provider at the time of the transaction or whenever you collect any payment information from the customer (…)”

Vorteile:

  • Flexible Modelle nach eigenen Vorstellungen möglich, z.B. direkte Verrechnung mit dem Kunden über Rechnung (das geht im Store sonst nicht).
  • Die App (bzw. vielmehr der Zugang zum Service) gehört der Firma, nicht dem Benutzer (wenn das dementsprechend implementiert wird, z.B. Login-Name ist die Firmen E-Mail)

Nachteile:

  • Man muss sich um das ganze Billing und die Authentifizierung selbst kümmern.
  • Microsoft kriegt kein Geld (kein 70/30 bzw. 80/20 Share) – gut, das werden viele nicht unbedingt als Nachteil sehen.

Gibt es Beispiele für solche Apps? Klar, und zwar gar nicht wenige, man braucht sich nur Apps wie eBay, Amazon, Amazon Kindle und dergleichen mehr anschauen – die App ist gratis, die Bezahlung der Services erfolgt über die jeweils eigene Plattform.

Als Beispiel für eine App, die sich an Unternehmen richtet, kann neben dem eingangs erwähnten PushBI auch die Zeiterfassungsapp flow.timer der österreichischen Firma Icomedias dienen. Das Basis-Service für einen Benutzer ist gratis, wer mehr will, bucht die Services außerhalb der App dazu, siehe: http://www.flowtimer.net/Seiten/default.aspx

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In jedem Fall noch ein paar Tipps dazu:

  • Bei Bezahl-Apps unbedingt eine Testversion anbieten, sodass potentielle Kunden sich ein Bild über die App machen können = mehr Umsatz (unabhängig, ob die App nun über den Store bezahlt wird, oder nicht).
  • Wenn man die Services nur gegen Login verfügbar macht, dann sollte die App einen „Demo-Modus“ vorweisen, der auch ohne Login funktioniert (Sample-Daten offline oder online zur Verfügung stellen), sodass auch hier sichtbar ist, was die App könnte.
  • Bei der Zertifizierung muss dem Tester ein Test-Login (Username/Passwort) zur Verfügung gestellt werden, sodass dieser den Gesamtumfang der App testen kann.