32 oder 64-Bit?

Das Thema wird eigentlich nur deswegen aktuell, weil RAM “nichts” mehr kostet und man sogar in den Retailmärkten schon fast mehr Laptops mit 4GB RAM kaufen kann, als mit weniger,… zu den RAM Kosten siehe auch den (veralteten) Artikel: RAM Kosten XP/Jahr 2000 vs. Vista/Jahr 2007. Deswegen häufen sich die Anfragen “Warum 64-Bit?”. Weitere Fragestellungen habe ich mir auch von den Kommentaren bei derStandard geholt, wo über dieses Thema kürzlich auch berichtet wurde.

Ich versuche, die am öftesten gestellten Fragen mal ganze jetzt mal begrenzt technisch zu beantworten (also ohne z.B. auf Register einzugehen), wo denn der Unterschied zwischen 32-Bit/x86 und 64-Bit/x64 liegt.

Es gibt hier drei Limitationen bei 32-Bit Systemen:

  • Es können maximal 4 GB RAM adressiert werden
  • Davon zwickt sich die Hardware selbst allerdings einiges weg, tatsächlich nutzbar sind dann eventuell nur 3,x GB RAM (kann aber auch noch weniger sein).
  • Anwendungen können maximal 2 GB RAM nutzen.

Kann man mit 32 Bit nicht dennoch mehr als 4GB adressieren?
Ja. Mit Physical Address Extension kann auch über der Grenze liegender Speicher genutzt werden. So kann z.B. der Windows 2000 Datacenter immerhin 32GB RAM nutzen. Auf zertifizierter Hardware, und genau das ist der Knackpunkt, PAE ist kein geeignetes Mittel für den Masseneinsatz. Verkürzt gesagt: wer mehr will als 2GB pro Prozess oder 4GB (3,x) RAM insgesamt braucht zwingend ein 64 Bit OS.

Was bringt 64-Bit?
Bei 64 Bit liegt die Grenze des adressierbaren RAMs deutlich höher, nämlich bei 16 Exabyte. Windows 7 64-Bit unterstützt 16 GB RAM (Home Premium) bzw. 192 GB (ab Professional). Das heißt dass mehr als die 3,x GB RAM nutzbar sind. Am eigenen Beispiel, während mein Rechner unter 32-Bit gerade mal 3 GB nutzen kann, habe ich unter 64-Bit die vollen 4GB nutzbar, der Ressourcenmonitor unter Windows 7 nennt gerade mal 66 MB, die für die Hardware reserviert sind:

image_151

Was kann Probleme machen?

  • Während 32-Bit Software im Regelfall kein Problem hat unter 64-Bit Windows zu laufen (Ausnahmen wie immer sehr systemnahe Software plus solche die schlecht geschrieben wurde,…) braucht es für Gerätetreiber eine eigene 64-Bit Treiber.
  • Treiber müssen signiert sein.
  • 16 Bit-Applikationen funktionieren nicht mehr.

Geschwindigkeit – Ist 32-Bit Software unter 64 Bit -schneller?
Die 32-Bit Applikation selbst wird nicht profitieren, sie wird sogar etwas mehr Speicher verbrauchen. Allerdings… wenn mehr Speicher vorhanden ist, dann wird weniger ausgelagert, es kann mehr im Speicher gehalten werden,… das heißt Multitasker, mit viele offenen Applikationen profitieren selbst dann, wenn sie nur 32 Bit Applikationen nutzen.

Geschwindigkeit – Ist 64-Bit Software unter 64-Bit schneller?
Auch hier eine generelle Antwort: Ja. Wie hoch der Unterschied ausfällt, ist allerdings wieder applikationsabhängig. Beispiele sind Photoshop CS4, CAD Software,.. Wer es selber testen will: mal einen größeren Ordner mit 7-zip komprimieren.

Aber es gibt ja die Software XY nicht als 64-Bit!
Was ja in Wahrheit halb so dramatisch ist, weil 32-Bit Software im Regelfall problemlos läuft.

Achtung Falle: bei PlugIns muss auch das PlugIn für die Hostanwendung 64-Bit-fähig sein. Das gilt zum Beispiel für Photoshop CS4, aber auch den Internet Explorer. So gibt es z.B. kein Flash oder Silverlight für 64-Bit Windows. Was auch der Grund ist, warum der IE unter 64-Bit per default auf den 32_Bit IE gestellt ist. Aber würde den 64-Bit Browser  ja nur brauchen, wenn ich dem Browser mehr als 2 GB RAM/Prozess geben will. Und das will ich sicher nicht😉 Ebenso für Office,… wenngleich hier mit Office 2010 auch eine x64 Variante kommt.

Logos…
image_152Die Unterstützung ist eigentlich schon sehr gut und wird besser und besser. Damit das auch „sichtbarer“ wird, gibt es wieder mal Logos für die Soft/Hardware Produkte. Und diese Microsoft Logo Programme fordern z.B. fix, dass die Treiber/Programme sowohl 32 als auch 64-Bit vorliegen. Das Logo Toolkit selbst ist (sogar nur!) ein 64 Bit Programm. Siehe auch: http://msdn.microsoft.com/en-us/windows/dd203105.aspx bzw. für die Hardware http://www.microsoft.com/whdc/winlogo/default.mspx

Klar, das ist nur die eine Seite der Medaille, alte Hardware, wo sich der Hersteller nicht mehr darum kümmert,…

Warum gibt’s von Windows 7 überhaupt noch eine 32-Bit Version?
Diese Frage kommt auch auch oft, die Antwort ist ganz einfach: weil es immer noch (zu) viele 32-Bit Maschinen gibt. Gerade da, wo Windows 7 auch wirklich gut auf älterer Hardware läuft, wäre Microsoft schlecht beraten, diese Kunden zu verärgern. Beim Server sieht das schon anders aus, den Windows Server 2008 R2 gibt es (ebenso wie schon zuvor z.B. bei Exchange) nur noch als 64-Bit Version.

Eigene Erfahrung
Ich bin mit dem neuen Laptop (März 2008) auf 64 Bit Vista umgestiegen, weil eben 4GB RAM. Kurz darauf dann auch auf dem Desktop (nach einem RAM Upgrade). Folgendes hat bei mir nicht funktioniert (komplette Liste!):

  • Mein Canon Scanner Lide 35 hatte keinen Treiber, Canon Support sagt “End of Life”. DAS hätte ich verstanden. Dass es aber eh geht, das nehme ich Canon sehr übel (das mussten die doch wissen?), ich hätte nur den Treiber für den Lide 60 nehmen müssen, der hat einen 64 Bit Treiber. Na wusste ich damals nicht und habe mir einen neuen Scanner gekauft (ja, wieder einen Canon, was auch erklärt, warum die Antwort des Supports,…)
  • Slysofts Virtual CloneDrive gabs damals noch nicht als 64 Bit, habe dann MagicDisk genommen.

Sonst eigentlich keine Probleme, das Fehlen des Adobe PDFs iFilter kann man lösen, und UMTS Karten haben seit jeher Treiber, da muss man nur wissen, dass man sich an
den Hardwarehersteller
(Huawei, Option,…) wenden muss und nicht auf die lustige Idee kommen, dass einem der Telekombetreiber hilft.

Empfehlung, soll ich … ?
Ich trenne hier mal zwischen “privat” und “Unternehmen”.

  • Privat:
    Warum nicht. Teste ob es dein Drucker, TV Karte, Scanner,.. tut und dann go for it.
  • Unternehmen:
    Persönliche Empfehlung – nein, noch nicht flächendeckend, sondern nur dort, wo wirklich mehr als 4GB RAM gebraucht wird (und das wird nicht ein überwiegender Teil der Clients sein). Diese Meinung mag ich im Jahr 2011 aktualisieren.

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