Was kostet "gratis"? Die Google Krake V2.0

Oh toll ein neuer Browser.

Und schnell ist er auch.

Und gratis.

Warum gratis?
Erschreckenderweise glauben manche ja wirklich, dass „gratis“ auch kostenlos bedeutet. Ist es aber (kleiner Hinweis zur Lebensführung) selten. Vor allem nicht wenn dahinter eine gewinnorientierte Aktiengesellschaft steht. Egal ob das IBM, Sun, Microsoft oder eben Google ist. Man kann hier noch beim Geschäftsmodell unterscheiden, warum jemand Software „gratis“ hergibt.

  • Microsoft: Um die Plattform zu stärken („Windows only“), sieht man am Beispiel Windows Live.
  • Sun mit OpenOffice oder MySQL, um dann danach Firmen fesch teure Supportverträge zu verkaufen.
  • IBM z.B. mit dem OpenOffice 1 Ableger Symphony: um Lotus Notes zu verkaufen. (und Microsoft zu ärgern, das kann mitunter wichtiger sein, als nur „Business“).
  • Und Google: GMail, Chrome: um Benutzerprofile zu bekommen.

Googles Geschäftsmodell
Geld macht Google nicht primär durch die bekannte (und btw gute) Suchmaschine, sondern eigentlich durch „Profile von Benutzern“. Und da dann als Produkt (und Einnahmequelle) Werbung. Aber soll nicht täuschen, dass das Kapital von Google das möglichst genaue (Ausspionieren hätte hier eine zu negative, wenngleich nicht falsche Bedeutung), sagen wir ein möglichst genaues Wissen um den einzelnen Menschen (aka Konsumenten). Deswegen tut Google auch alles, um noch mehr über jede Person in Erfahrung zu bringen.

Screenshot von GMail:

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Verrückt ist höchstens, dass man sich traut, das auch noch so hinzuschreiben.

Deswegen bedeutet Datenschutz bei Google eher Datensammeln, ein paar Beispiele:

  • Suchanfragen bei Google werden personalisiert gespeichert und das zumindest eineinhalb Jahre.
  • Google durchsucht beim eigenen Dienst die eMails. Und aggregiert die Daten mit anderen Diensten. Wie z.B. den Google Werbungen oder YouTube. Damit lassen sich komplette gläserne Menschen erstellen.
  • Daneben gibt es optionale Datenschutz-GAUs, wie z.B. Webprotokoll, wo dann überhaupt alle besuchten Seiten und Suchanfragen gespeichert werden. Natürlich ist das beim Anlegen eines Google Accounts vorausgewählt,…

Aber das richtig nette ist ja eigentlich: wenn man bei einem Google Dienst einen Inhalt einstellt, dann… darf ihn Google gewerblich und gewinnbringend nutzen:

„Wenn Sie Inhalte in die Dienste einstellen, räumen Sie dadurch Google (und den zur Google Gruppe gehörenden Unternehmen sowie den Vertragspartnern von Google) das nichtausschließliche, weltweite und zeitlich unbeschränkte Recht ein, diese Inhalte für die Dienste zu nutzen, insbesondere die Inhalte zu vervielfältigen und anderen Nutzern öffentlich zugänglich zu machen“

Das ist übrigens nicht aus Chrome (dort standen die selben Nettigkeiten) sondern aus GMail. Eben dort rauskopiert, denn bei Chrome las es sich ziemlich ähnlich (sprich 1:1), ist mittlerweile dort geändert. Interessanterweise lautet das Datum der Version immer 23. Mai 2008, obwohl es hier definitiv eine Änderung gegeben hat (siehe z.B. derStandard). Aber nicht bei GMail, dort steht nach wie vor der alte Text: Auf deutsch: Inhalte aus Mails, Bilder, usw… dürfen von Google verwendet werden. Aber mal schauen, was der neue Browser Chrome so macht:

Es ist nicht alles Chrome was glänzt:

  • Jede Installation hat eine eindeutige ID.
  • Damit man das auch wirklich gut Tracken kann, installiert sich er Browser ins Benutzerverzeichnis. Fein, dann brauchen sich Userspace Schädlinge nicht um so lästige Dinge wie UAC bzw. unterschiedliche Rechte kümmern. Das Erstellen von Profilen ist offenbar wichtiger als Sicherheit.
  • Jeder Tastendruck in die Adresszeile wird per default an Google geschickt.
  • Es werden so gut wie dauernd (auch wenn keine Google Seite besucht wird) Cookies ausgelesen – von Google.
  • Bei Deinstallation „vergißt“ der Deinstaller den GoogleUpdater. So ein Zufall aber auch.
    Quelle: Heise

Googles Sicht der Dinge: http://www.google.com/chrome/intl/de/privacy.html

Microsofts „Dunkle Jahre“
Wenn ich hier Microsoft als Musterschüler hervorhebe, dann geschieht das mit vollem Wissen um eine Zeit, in der das alles bei weitem nicht so war.

Ein paar Beispiele:

  • Word Dokumente und eindeutige ID (1999): Word und Excel Dokumente können eindeutige Identifizierungsnummer haben: siehe Heise.
  • Media Player (2000): Eindeutige ID, die gesendet wird, standardmäßig eingeschalten,… auch hier, siehe Heise.
  • Frontpage (2001): Beim HTML Editor (kein Kommentar, sagen wir einfach es war ein HTML Editor,…) verbot es der EULA wörtlich: „Sie sind nicht berechtigt, die Software in Verbindung mit einer Site zu verwenden, die Microsoft, MSN, MSNBC, Expedia oder deren Produkte oder Dienstleistungen herabsetzt.“, siehe Heise.

Ich bin mir sicher, es ließen sich noch einige weitere Beispiele finden. Aber Microsoft hat gelernt.

Prioritätenliste bei Microsoft im Vergleich Vor/Nach 2002
Was ist bzw. war „wichtig“ bei Software? Ich denke dass das früher bei Microsoft vor allem der Marktanteil war – um jeden Preis. Und Software hatte mal in erster Linie mehr Features zu haben. Sicherheit und Datenschutz? Ferner liefen,… Die Änderungen an der Prioritätenliste begann 2002 mit der Trustworthy Computing Initative, der so ziemlich ganz Microsoft untergeordnet wurde. Anmerkung: das ist mein Eindruck, es ist keine offizielle Liste. Mit Marktanteil meine ich auch „Business Practices“, die ja auch Gegenstand vieler Diskussionen (und Verfahren) waren. Diese Praktiken sind nicht mehr in den „Top 5“ im Jahr 2008.

Vorher (pre-2002):

  1. Marktanteil
  2. Features
  3. Performance
  4. Sicherheit
  5. Datenschutz

Nachher (2002 und später)

  1. Sicherheit
  2. Datenschutz
  3. Zuverlässigkeit
  4. Features
  5. Performance

Interessant ist jetzt, genau diese Liste auf die beiden Beta Browser umzulegen: IE8 und Chrome. Fairerweise muss man sagen: Chrome ist Beta, dennoch stimmt es bedenklich, wenn Google den Browser im breiten Stil freigibt und dann die selben Lücken wie in Safari drin sind (WebKit Exploits). Hier macht sich die unterschiedliche Philosophie recht deutlich bemerkbar.

Doch wie verhält sich Microsoft heute?

Microsoft heute:
Ich glaube, man kann vereinfacht sagen, dass Online-Aktionen sind per default ausgeschaltet sind und bei jeder Einstellung, die Auswirkungen auf Privacy/Datenschutz hat, erst eindeutig darauf hingewiesen wird. Wie man es halt erwarten darf.

Was waren in letzter Zeit „Aufreger“ bei Microsoft:

  • Die optionale und per default nicht aktive Online-Hilfe von Office 2007 greift auf eine Webseite zu (vielleicht deshalb „Online-Hilfe“,…), wo ein Website-Analyzer läuft. Hurray, wenn das die schlimmsten Probleme sind,… siehe http://www.vistablog.at/stories/5871/.
  • Der Updater des Betriebssystem hat sich selbst upgedatet, ungeachtet der Einstellung „vorher Nachfragen bei Updates“.

Microsoft ist bei diesem Thema wirklich sehr weit. Da ich auch teilweise etwas Einblick hinter die Kulissen habe: auch intern wird das Thema sehr ernst genommen. Datenschutzbeauftragte sind keine Feigenblatt-Posten, es wird auch organisatorisch darauf geachtet, dass mehr als nur die jeweiligen gesetzlichen Vorschriften erfüllt werden, auch Microsoft Partner & Dienstleister (so wie ich) müssen bei Verwendung von persönlichen Daten Auflagen einhalten, usw… Microsoft lebt derzeit von Lizenzeinnahmen, das ist für die Privatsphäre recht „ungefährlich“. Aber der Bereich „Online & Services“ wird sehr stark steigen, deswegen gilt auch hier: (weiterhin) genau beobachten. (Und an Microsoft: bitte nicht „verführen“ lassen,…)

Windows Vista und der Datenschutz:
Was sendet Vista, wo wird nach Hause telefoniert, warum überhaupt und wie kann man es ausschalten? Das alles wird fein säuberlich in einem Whitepaper erklärt: siehe Vista nach Hause telefonieren?

Fazit:
Google ist „böser“, als es Microsoft jemals war. Auf die Idee, jeden Tastenanschlag an Google zu senden, muss man erst mal kommen. Und in die Nutzungsbestimmungen zu schreiben, dass sämtliche Inhalte dann Google gehören,.. ich weiß nicht, wie das hier die Leser sehen, aber hätte mir das wer vor 2 Wochen gesagt, dass das ein Anbieter versucht, … ich hätte demjenigen wohl eine andere Medikamentendosis empfohlen. Jetzt noch auf die Idee zu kommen, GMail, Google Docs oder Chrome gewerblich zu nutzen,…

ABER: mir ist es gleich, nutzt Chrome & Gmail, ist gratis…

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PS: ToDo an mich selber: Google Analytics aus Vistablog raushauen. Ich hatte mich gewundert, dass beim Aufruf von vistablog.at Googles urchinTracker geladen wird, wir hatten zwar mal für zwei Monate Google Analytics laufen, aber danach wieder entfernt. Dachte ich jedenfalls,.. aber er war immer noch drin. Komisch. Weil Daten liefert er nicht mehr. Tja,..siehe da:  Der war nicht von uns (Vistablog-Team), sondern von Twoday, der Blogplattform.  Ist entfernt,… und Live Analytics drin🙂

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