Drama: Vorinstallationen – Warum ist Vista so langsam?

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel so überhaupt schreiben soll, denn er ist wenig schmeichelhaft. Für niemanden. Aber nachdem das Problem in letzter Zeit nicht besser wird, sondern immer schlimmer, ein mal ein paar klare Worte zu einem Thema, das ich für eines der größten Probleme von Microsoft halte und vermutlich maßgeblich am schlechten Ruf von Vista schuld ist.

Vorinstallationen
Gut gedacht und für Microsoft einer der größten Geldbringer in der Betriebssystemsparte: das vorinstallierte Betriebssystem. Gut gedacht, weil für den Konsumenten die günstigste Art, um an Windows zu kommen und von der Idee her: starten und loslegen.

Die Realität
Bloatware. Crapware. Dutzende Programme sind gleich mitinstalliert. Die Rechner lassen sich teilweise nicht mal einschalten, die Recovery DVD/CD, wenn denn eine beiliegt, schaufelt nur wieder den selben Müll auf die Platte, der Rechner ist schlicht unbrauchbar.

Kleiner Vergleich
Zahlen stammen übrigens von einem bereits etwas zurückliegenden Test über verschiedene im Consumer Markt erhältlichen Geräte bzw. deren Vorinstallationen, verglichen mit einem Cleaninstall auf der selben Maschine, die Tests wurde durchgeführt von einem großen amerikanischen Betriebssystemhersteller:

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Ordentlicher Unterschied oder? Der Idle Wert kommt mir zwar auch beim Clean-Install Durchschnitt recht hoch vor, aber darum gehts hier nicht (es gibt da noch weitere Messungen, aber die zeigen genau das selbe Bild).

Was macht der Kunde?

  1. Ersten ist er mal unglaublich angefressen – zurecht, denn er hat gerade ein Neugerät gekauft, das langsamer zu rechnen scheint als der alte TI-30 Schultaschenrechner.
  2. Schuld hat Microsoft.
  3. Für Fortgeschrittene: Es wird mit einem Installationsmedium über die Vorinstallation drübergebügelt. Mangels sauberem Vista Datenträger und der vermeintlichen Erkenntnis, dass an der Langsamkeit Vista schuld sei, übrigens ziemlich wahrscheinlich mit XP (ob legal oder nicht tut da jetzt mal nichts zur Sache).

Besonders krasse Fälle
Über einige Geschichten habe ich schon geschrieben, z.B. Sony mit der Sidebar, alle Produkte, die sonst im gelben Packerl verkauft werden, zwei verschiedene Desktop Search Produkte bei Lenovo, uvm…

Man trifft aber wieder auch bei Markenhersteller (!) auf so unglaubliche Dinge, wie falsche Images (z.B. HP mit ihren fehlerhaften XP Images, die dann bei AMD Prozessoren mit SP3 Probleme bringen) oder gänzlich falsche Treiber (sodass z.B. die Festplatte nur im PIO Modus läuft) und, und und,… dass das für das Betriebssystem nicht unbedingt leistungssteigernd wirkt, dürfet klar sein.

Warum installieren die Hersteller Crapware?
Weil es Geld bringt. Und das nicht wenig! Teilweise gleich direkt bare Münze, z.B. für das installieren einer Desktop Suche, teilweise auf Provisionsbasis (bzw. Mischmodelle), z.B. wenn sich der ahnungslose Kunde tatsächlich die Anti-Viren Lösung kauft.

Mittlerweile ist besteht die Gewinnmarge fast ausschließlich durch die Zusatzsoftware, an der Hardware ist fast nichts zu verdienen. Wenn man so will kauft man werbefinanzierte Geräte.

Keine Crapware – dann bezahle!
Den Vogel hat meiner Meinung nach Sony abgeschossen, für ein sauberes Vaio TZ2000 oder Vaio TZ2500 (also ohne Crapware) wollten sie doch glatt 50$ MEHR. Willst Du weniger, zahle mehr? Eigentlich genial.

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(Bild: Engadget – Sony hates you)

Nach den Engadget und Slashdot Artikeln und der daraus resultierenden weltweiten Empörung hat sich das ganze als „Kommunikationsfehler“ herausgestellt (oh wie ich Konzernmarketingsprache liebe) und Sony hat das überraschend schnell -innerhalb von 2 Tagen – wieder zurückgezogen. Allerdings muss man, wenn man denn die Option Fresh Start will, Windows Vista Business dazubestellen – für 100$ Aufpreis.

Wer ist der Kunde?
Der Kunde von Microsoft ist der Hardwarehersteller. Der Endkunde (Konsument) wiederum ist Kunde des Hardwareherstellers. Natürlich sehen das die Konsumenten anders und lasten die verpfuschte Installation direkt Microsoft an. Die Hardwarehersteller halten sich da schön raus anstatt zuzugeben „hey, das haben wir verbrochen“.

Tut das jeder Hersteller?
Nein. Aber fast jeder. HP, Lenovo, Acer, Sony … überall das selbe. Dass ich hier Sony öfters „lobend“ erwähne, hat ist wirklich Zufall, da hatte ich eben öfters Kontakt mit Benutzern. Ausrücklich unterstreiche ich daher, dass die Hardware wirklich gut ist (auch da egal ob HP oder Sony oder…) aber mal ehrlich: arbeitet mal selbst einen Tag mit so einer Vorinstallation. Wäre recht hilfreich.

Betrifft das nur „Consumer“-Geräte oder auch den Business-Markt?
Galt bis vor kurzem noch, dass im Business-Bereich die Vorinstallationen recht sauber sind, so kann das mittlerweile nicht mehr gelten. So manches Unternehmen kauft das Betriebssystem mit der Hardware mit (also OEM weil u.U. günstiger als mit Volumenslizenzverträgen) und können deswegen lizenzrechtlich auch nicht Re-Imagen (denn das geht IMHO nur bei Volumenslizenzen).

Angeblich ist Dell vernünftig. [Meinung dazu bitte als Kommentar].

Betrifft das nur Vista oder XP auch?
Genauso XP, wenn es vorinstalliert ist.

Warum tut Microsoft nicht dagegen?
Microsoft darf den Herstellern nicht vorschreiben, was sie auf ihren Rechnern installieren. Das war mal anders, aber da gab’s dann recht heftige Prozesse. Den Schaden hat jetzt der Konsument.

Aber Microsoft sollte etwas dagegen tun. Denn sonst wird der Wunsch des Konsumenten sein, KEIN OS vorinstalliert zu bekommen. Das kann nicht im Sinne von Microsoft sein (ich glaube, das muss ich nicht begründen).

Wie sieht das bei Apple aus?
Da Apple keine Kartellklagen durchzufechten hatte und gleichzeitig Hardware und Softwarehersteller ist, können sie natürlich selbst bestimmen, was auf ihre Rechner draufkommt. Ein Vorteil, den der reine (die Mäuse lasse ich mal beiseite) Softwarehersteller Microsoft – bedingt durch Urteile- leider (?) nicht (mehr) hat.

Die Lösung:
Na zum Glück ist die Lösung nicht so dramatisch wie das Problem:

  • Reinigen, säubern, löschen, deinstallieren – oder, vielleicht gleich:
  • Neu aufsetzen

Zu beiden Ansätzen veröffentliche ich in den nächsten Tagen ein paar Tipps.

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