Freiwillige und unfreiwillige Aufgabe der Privatsphäre

von Georg Binder 25. April 2007 10:10

Privatsphäre und Datenschutz sind Dinge, die man nicht zu leicht aufgeben sollte. Ist der Gegenwert z.B. einer sinnfreien "Stammkundenkarte" wirklich so groß, dass man sich zum gläsernen Einkäufer macht? Aber immerhin, hier kann ich noch wählen.

Wo man als einzelner Bürger leider wenig Chancen hat: Data Retention / Vorratsdatenspeicherung Richtlichtlinie der EU. Bald werden nach Umsetzung in nationales Recht gemäß der EU Richtlinie 2006/24/EG alle Verkehrs- und Standortdaten von Sprachtelefonie, einschließlich Diensten mit Zusatznutzen und elektronischer Dienste für sechs Monate "für Zwecke der Strafverfolgung" gespeichert. Abgesehen von enormen Zusatzkosten für Telekombetreiber oder Internet-Diensteanbietern heißt das, dass jeder Verbindungsaufbau im Internet mitgeloggt werden muss. Jede Webseite, die man besucht, jeder Messengerchat, jede eMail... siehe auch Futurezone. Auch wenn der eigentliche Inhalt (z.B. der Mail) nicht erfaßt werden soll (viel Spaß beim Trennen von Verbindungsdaten und Inhaltsdaten z.B. bei Mail), wird so jeder Bürger digital Total-Überwacht. Macht die Wirtschafts-Spionage einfacher.

Das alles natürlich unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung (zu Realtime "Online"-Durchsuchung von PCs dazu auch die Diskussion derzeit in Deutschland). Anleitung für Terrorristen (auch aus der FuZo):

  • Internetanbieter (Mail, Web) außerhalb der EU wählen
  • Handy und SIM Karte oft wechseln, anonym kaufen

Nur so eine Idee: wie wärs wenn ich meinen Bitlocker Key auch, sagen wir im Innenministerium hinterlegen muss? Oder das verpflichtende Einpflanzen eines RFID Chips (praktisch: statt der ecard)? Webseiten publizieren nur nach vorheriger Genehmigung?

Aber es geht auch freiwillig. Man könnte z.B. sein Leben oder seine Firma für alle offenlegen, in dem man Google Calender benutzt, und diesen für jedermann freigibt. Was im privaten Bereich vielleicht brauchbar ist (für Vereine, oder sehr extrovertierte Menschen) ist im Business Umfeld einfach eigenartig. So hat die Computerworld festgestellt, dass einige Firmen Google Calender nutzen, vermutlich weil Ihnen intern kein brauchbares System wie Exchange/SharePoint zur Verfügung steht,... (dazu auch lesenswert der Kommentar von Google Calender Product Manager)

Will wer z.B. an einem Conference Call von Apple teilnehmen?

Ergebnis: Man kann sich anschauen, welche Firma, mit wem, wann einen Termin hat. Telefonkonferenzen z.B. mit Zugangsdaten :) Na da könnte man sich mal als Mitlauscher einfach dazuhängen. Ich hab den Selbsttest gemacht und mich bei Google Calender mal umgesehen und kann den Bericht voll inhaltlich bestätigen, da ist wirklich einiges zu sehen, was besser "intern" geblieben wäre. Gute Stichworte sind z.B. "password", "pin", "conference call", "passcode",.... Das nenne ich die freiwillige Aufgabe von Datenschutz. Für Firmen erst recht ungeeignet.

Fazit: Dort wo man noch Entscheidungsgewalt halt, sollte man die verbliebene Vertraulichkeit nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

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Allgemein

 

Comments (4) -

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4/25/2007 10:10:54 AM #

BranBern

Hi,

find ich unschön - werde dann für das nächste halbe Jahr nur mehr im Internetcafe online sein, und meine UMTS Kiste fürs Notebook still legen *fg* ,-)
  
was kommt als nächstes? remotezugriff für den Innenminister erlauben?
  das würde ja wieder ein paar administratoren brauchen, die dem das zeigen, und die steuerzahler müssen blechen - ich zieh nach monaco,....

see you there

BranBern | Reply

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4/25/2007 10:10:54 AM #

BranBern

ups...

noch was vergessen:

@Georg - meinen Beitrag für WoW,... hast du den noch evident, oder momentan zuviel stress?

.::greez::.

BranBern | Reply

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4/25/2007 10:10:54 AM #

Marijan Kelava

1. Man kann erst Daten einsehen, wenn man dort registriert ist
2. Man kann erst die Daten sehen, wenn man zu suchen beginnt
3. Wenn man Exchange "hackt" bekommt man auch zu viele Infos...

conslusio: Egal wo man Daten freigibt - man muss sich dessen bewusst sein, dass diese NIE sicher sind.

Marijan Kelava | Reply

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4/25/2007 10:10:54 AM #

grinko.at

Daher solange es geht TOR&Konsorten nutzen.

Übrigens, wer Google nutzt ist selber schuld, auch ohne dass die Nutzer ihre Daten freiwillig freigeben.
Es gab einen netten Artikel in der c't "Datenkrake Google". Da Google nicht wie MS Software verkauft, sondern verschenkt, müssen die als börsennotiertes Unternehmen auch irgendwie Geld auftreiben, und das tun sie im Moment mit Werbung. Aber laut c't ist es kaum ein Aufwand für Google ihre ganzen Dienste wie Docs, Calendar, Mail etc. auf Datenspeicherung umzustellen um ein umfassendes Profil jedes Nutzers zu erstellen, das in der Werbebranche einiges wert ist.

grinko.at | Reply

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